126 as nur Wenige wissen: Ohne ihn wäre aus dem mittelalterlichen Städtchen auf dem Hügel nicht die Stadt geworden, wie wir sie kennen. Seit 1800 arbeitete Weinbrenner an Baden-Badens Renaissance. Die Liste seiner Eingriffe ist vielgestaltig und unüberblickbar – von der Stadtplanung bis zur Reparatur einer Dachrinne. Er entwarf nicht nur Pläne, sondern besorgte und prüfte die Rechnungen und Verträge der Handwerker, überwachte die Ausführung, organisierte die Beseitigung des Schutts, erstattete regelmäßige Berichte an alle betroffenen Stellen und mehr. Für ihn bot sich hier mehr als anderswo die Gelegenheit, seine Vision von der Verschmelzung von Stadt und Natur Wirklichkeit werden zu lassen. Alles begann mit dem alten Bäderviertel rund um die Stifts- kirche am Marktplatz, das er mit neuen Bauten wiederbelebte, wie der Antiquitäten- und einer ersten Trinkhalle, einem Dampfbad und einem Hotel für Badegäste. Und ein erstes Konversationshaus richtete er bereits 1810 im Jesuitenkolleg ein, heute das Rathaus der Stadt. So wie er ab 1807 das Franziskanerkloster in den „Badischen Hof“ verwandelte, das erste deutsche Grand Hotel überhaupt. Hier beeindruckt im Innern heute noch die Säulenhalle. Und auch am Palais Hamilton und dem Palais der Königin Friederike von Schweden an der Lichtentaler Allee 8 erkennt Friedrich Weinbrenner Erfinder des modernen Baden-Baden W man deutlich seine sachlich-elegante Handschrift. Dies galt für zahlreiche weitere Wohnhäuser, Gasthöfe, Bade- und Unterhaltungseinrichtungen der Stadt. Hiervon ist nicht mehr viel erhalten. Doch die Linien seiner Vision für das moderne Baden-Baden werden sichtbar bleiben, insbesondere die Verbindungen inner- und außerhalb der Stadt, wie die Promenaden entlang der Oos, der Ausbau der Lichtentaler und der Langen Straße, die Anlage der Wilhelm- und der Sophienstraße oder auch der Wanderweg hinauf zum Alten Schloss. Der Mensch hinter der Fassade Das Kurhaus in Baden-Baden ist sein bekanntestes Werk, zugleich steht es für Hunderte weiterer Bauwerke, die mit seinem Namen verbunden sind. Ein Vierteljahrhundert lang leitete er das Bauwesen im Land Baden. Entsprechend viele Projekte entwarf oder überarbeitete er, zeichnete neben Baden-Baden auch für den Ausbau der Hauptstadt Karlsruhe verantwortlich. Noch dazu bildete er mit 120 Architekten weit mehr Schüler aus als seine Kollegen, und die meisten verbreiteten seine typische Formensprache im In- und im Ausland weiter. Nicht wenige von ihnen wurden ihrerseits bedeutend, wie Georg Moller, Friedrich von Gärtner, Heinrich Hübsch, Alexis de Chateauneuf und andere. Das alte Bäderviertel unter dem Neuen Schloss mit Weinbrenners Antiquitätenhalle und Gästehaus
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